Archive for the ‘Freiwilliges Soziales Jahr’ Category

Meine aktuelle Arbeit: casa de los niños

Dienstag, Mai 22nd, 2007

Mein Einsatzort

Seitdem ich im März wieder von meiner Reise wiedergekommen bin, arbeite ich immer jeweils am Montag und am Freitag im casa de los niños des Projektes Che Pibe. Hier sind die Kinder zwischen 6 und 13 Jahre alt und in drei verschiedene Gruppen unterteilt:

  • Primer nivel (die erste Gruppe): 6, 7 und 8 Jahre
  • Secundo nivel (die zweite Gruppe): 9 und 10 Jahre
  • Tercer nivel (die dritte Gruppe): 11, 12 und 13 Jahre

Zurzeit arbeite ich ausschließlich in der ersten Gruppe. Um 9.00 Uhr früh beginne ich meine Arbeit im turno mañana (Vormittagsgruppe), der bis 12.00 Uhr dauert. Danach gibt es immer zwischen 12.00 und 13.00 Uhr eine Besprechung der Erzieher. Anschließend findet der turno tarde (Nachmittagsgruppe) zwischen 13.00 bis 16.00 Uhr statt.

Meine Arbeit

Jeden Morgen wenn ich in der Arbeit eintreffe, frühstücken wir erst einmal mit den Kindern. Danach geht es immer in den Saal des primier nivel. Hier habe ich die Gelegenheit ein kleines Spielchen mit den Kindern zu spielen, damit sie sich ein bisschen austoben und sich somit später besser konzentrieren können. Ich spiele vor allem viele Kreisspiele mit den Kindern, da bei dieser Art des Spieles jeder teilnehmen muss und sich nicht verstecken kann. Bei den Kindern wird dies meist als willkommene Abwechslung angesehen und manchmal fordern sie mich regelrecht dazu auf ein Spielchen mit ihnen zu machen.
Aber auch die Betreuerin der Gruppe fragt mich immer vor der Stunde, ob ich eine Aktivität für die Kinder vorbereitet habe. Denn mittlerweile bin ich schon als vollwertiger profe (profesor – Lehrer) bei den Kindern und bei den anderen Betreuern anerkannt. Ich habe dieselben Rechte und sehe mich auf einer Ebene mit den anderen Sozialarbeitern. Diese Gleichberechtigung habe ich nicht zuletzt der eher linken politischen Ausrichtung des Projektes zu verdanken.
In den verfügbaren drei Stunden gebe ich außerdem noch kleinere Workshops für die Kindern. Zum Beispiel habe ich erst neulich artes plasticas (Basteln) mit ihnen gemacht. Hierbei durfte jedes Kind eine von mir vorgefertigte Schablone auf Tonpapier aufzeichnen und ausschneiden. Auf den verschiedenen Formen schrieb jeder seinen Namen und seinen Geburtstag und wir machten eine kleine Geburtstagswand. Durch diese kleine Aktivität wollte ich bewirken, dass sich die Kinder ihren eigenen Geburtstag besser merken können. Denn manche kennen diesen gar nicht auswendig.
Eine andere Aktivität war, dass ich mit dem Kinder über ihr Wochenende gesprochen habe. Jeder in der Gruppe musste eine kleine Geschichte vor den Anderen vortragen. Am Ende musste jeder sein schönstes Erlebnis des Wochenendes mit Buntstiften zeichnen. Natürlich zeichneten 90% der Jungen einen Fußballplatz.
Anschließend helfen die Betreuerin und ich den Kindern ihre Hausaufgaben anzufertigen. Hierbei kann ich besonders bei Mathematik weiterhelfen. Aber mittlerweile kenne ich mich mit Spanisch so gut aus, dass ich auch in lengua (Spanisch) eine große Hilfe darstelle. Hier befasse ich mich vor allem mit den Kindern, die ein großes Wissensdefizit aufweisen. Alle Kinder haben ihr eigenes Lernheft im Projekt und wir machen jede Stunde eine kleine Aktivität: zum Beispiel Buchstaben üben, Wörter oder Sätze schreiben, Rechnungen ausführen oder kleine Zeichnungen erstellen. Vielen leseschwachen Kindern helfe ich vor allem beim Schreiben und beim Lesen. Für diese Einzelbetreuung hätte die Betreuerin gar keine Zeit. Ich hingegen kann genau diese Form der Förderung mit den Kindern praktizieren. Zum Abschluss des Tages gehen wir bei schönem Wetter auf dem Fußballplatz. Dort spielen wir verschiedene Ballspiele, vor allem aber Fußball und Volleyball. Es wird Seil gehüpft, fangen gespielt, gesprungen und kleinere Spielchen gespielt. Hier können die Kleinen ihre ganze Energie loswerden, damit sie ausgeglichener sind.

Diese Woche wurde mir eine große Verantwortung zu Teile gemacht. Da der Profesor Javier des premier nivel turno manana (erste Gruppe am Vormittag) nicht da ist, wurde ich für eine Woche als ein richtiger profesor eingeteilt. Dass heißt, ich bin nun jeden Tag von 9.00 bis 12.00 mit ungefähr acht Kindern alleine und muss diese drei Stunden beschäftigen. Für mich bedeutet das eine sehr große Verantwortung und Verpflichtung. Aber gerade dadurch steigt auch meine Motivation ungemein an. Irgendwie ist es ein unbeschreiblich schönes Gefühl nach acht Monaten im Stande zu sein, eine eigene Gruppe selbst zu führen.

Kinder, Lachen, Spaß, Geschreie und kleine Probleme

Für mich gehören all diese Sachen zusammen. Denn meine Kinder im Projekt können einen nicht nur Unmenge an Freude bereiten, sondern auch manchmal Kopfzerbrechen über ihr merkwürdiges Verhalten.
Die meisten Kinder sind aber wirklich sehr freundlich und sie lieben mich über alles. Es ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl, wenn ich im Projekt ankomme und schon drei Kinder auf mich zugestürmt kommen und ganz laut „Patriiiik“ rufen und mich ganz fest umarmen. Viele wollen dann, dass ich sie hochnehme, Huckepack mit ihnen mache, ihnen die Hand gebe oder sie umarme. Fast alle sind wirklich sehr liebenswürdig.
Auch werde ich von ihnen „profe“ (profesor – Lehrer) genannt. Für mich ist das eine sehr große Anerkennung, dass ich von den Kindern die gleiche Achtung bekomme, die sie alle anderen Betreuer auch entgegenbringen. Dies hat zur Folge, dass ich als Respektsperson angesehen werde und die Kinder besser auf mich hören. Manchmal wundere ich mich selbst, wie gut ich dich Kleinen im Griff habe.

Aber natürlich gibt es auch einige sehr schwierige Fälle. Denn die Kinder kommen meistens aus zerrüttelten und sehr armen Familienverhältnissen.
Einer meiner Kinder, Ezequiel, lebt zum Beispiel mit seinem Vater und seinem zwei kleineren Brüdern zusammen in Fiorito. Die Eltern sind getrennt und das Sorgerecht hat nicht, wie im argentinischen Gesetz verankert, die Frau, sondern vielmehr der Mann. Denn die Frau ist Alkoholikerin, lebt in Constitución (ein Bahnhof) und es ist die Rede von Drogen und Prostitution. Bei dieser Vergangenheit ist es nicht verwunderlich, dass der Kleine schwere seelische Probleme hat. Manchmal spielt er „Power Ranger“ und will sich mit den anderen Jungs prügeln. In solchen Situationen helfen Worte nichts mehr und er ist nicht mehr aufzuhalten.
Ich habe allerdings auch schon große Erfolge mit ihm gehabt. Wenn er der einzige Junge in der Gruppe ist, dann zeichnet und bastelt er konzentriert und aufmerksam. Auch übe ich oft Schreiben und Lesen mit ihm, da sein Niveau sehr niedrig ist.

Ein anderer Junge ist Christian. Dieser hat ein starkes Liebesbedürfnis und klebt immer förmlich an mir oder will ständig Huckepack machen.
Einmal als ich seine Bitte, dass ich ihm auf die Schultern nehme, verneinte, wurde er richtig böse und fing mich an mit seinen Turnbeutel und seiner Jacke zu schlagen. Ich nahm ihm diese Sachen ab, worauf er zwei große Steine aufhob und diese drohend in die Luft hob. Das einzige was er wollte, war Aufmerksamkeit erwecken. Als ich das erkannte und mich von ihm abwand, kamen auch schon die beiden großen Steine geflogen. Später als wir ins Klassenzimmer zurückkehren wollte, warf er sich auf dem Boden, schrie ganz laut, tritt und spuckte um sich und wollte sich nicht um einen Zentimeter von der Stelle bewegen. Nicht einmal die anderen Betreuer konnten zu ihm durchdringen. Mit dem Jungen konnte man einfach nicht mehr reden.
Ich kann mir nicht vorstellen, was in diesen Jungen vor sich geht. Aber auch seine Schwester erweckt einen schwierigen Eindruck: sie ist total schüchtern und bringt nicht ein Wort heraus. Beide kommen meist immer mit derselben, sehr dreckigen Kleidung in das Projekt. Die Haare sind zerzaust und verfilzt und das Gesicht dreckig. Beide können so gut wie gar nicht Lesen und Schreiben.
Desto mehr hat es mich gefreut, dass ich nach diesem Vorfall mit Christian, in der nächsten Stunde mit ihm die Zahlen üben konnte und er wieder ganz normal war. Auch mit seiner Schwester übe ich jede Stunde intensiv die Buchstaben.

Im Gossen und Ganzen…

… bin ich mehr als glücklich mit meiner Arbeit im casa de nino. Auch wenn ich manchmal an Grenzen stoße, bei denen ich nicht weiß wie ich mich verhalten soll. Am liebsten würde ich in solchen Momenten genau wissen, wie ich mich zu verhalten habe, oder was ich zu den Kindern sagen muss.
Für mich ist immer der schönste Moment nach der Arbeit: ich bin noch im Speisesaal und trinke einen heißen Tee mit den anderen Betreuer. Der Raum wird von einer unbeschreiblich schönen Stille erfüllt und ich sage mir, dass ich heute wieder etwas Kleines bewegen konnte. Ein unbeschreibliches Gefühl

Der Beginn meiner ersten Reise

Dienstag, Januar 30th, 2007

Heute, am Dienstag der 30.01.2007, werde ich meinen ersten Urlaub nehmen und eine große Besichtigungstour durch Südamerika beginnen. Ich freue mich schon sehr darauf, vor allem auf die unglaublich schönen Landschaften. Natürlich werde ich in meinem nächsten Erfahrungsbericht ausführlich darüber berichten.

Dies wird auch der Grund sein, wieso ich nächster Zeit sehr schwer, nur über Email, zu erreichen bin.

Letzte Woche habe ich meine zweite Arbeitsphase im casa de nino abgeschlossen. Und so viel verrate ich schon: es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht mit den Kleinen zusammenzuarbeiten. Als ich mich verabschiedete, habe ich ungefähr dreißig Zeichnungen von den Kindern erhalten, alle mit Liebe gemalt. Darauf konnte man lesen: „Patrick, wir werden dich vermissen“, „Wir lieben dich alle“, oder „Gute Reise und alles Gute zum Geburtstag“. Das war mit Abstand mein allerschönstes Geschenk, was ich dieses Jahr bekommen habe.

Damit man sich einen kleinen Eindruck von den Kindern im casa de nino machen kann, stelle ich hier fünf Fotos aus.

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Fiesta de los egresados

Mittwoch, Januar 10th, 2007

Um die Abgänger des Kindergartens gebührend zu feiern, veranstaltete Che Pibe eine große Abschlussfeier zu der auch alle Eltern eingeladen waren. Schon den ganzen Tag wurden im Projekt Vorbereitungen getroffen. Ich half bei der Dekorierung und dem Aufbau mit, um für einen gelungenen Abend zu sorgen.

Zuerst liefen die egresados (Abgänger) auf den Fußballplatz von Che Pibe ein. Sie trugen die argentinische Flagge, sowie die bunte Flagge der indíginas (ursprüngliche Einwohner Argentiniens). Dort wurden sie klatschend von den Eltern empfangen. Danach wurde von allen die argentinische Nationalhymne gesungen. Als nächster Punkt stand die Verleihung der Diplome auf dem Programmplan. Am Ende bekamen die Kinder noch alle ihre malerischen Arbeiten in einen von den Kindergärtnerinnen kunstvoll verzierten Umschlag.

Alles in allem war es eine gelungene Feier, es wurden viele Ansprachen gehalten und alle Kinder gingen mit strahlenden Gesichtern nach Hause, mit den Diplomen und Mappen unter ihren Armen.

Für mich wirkte die ganze Szene sehr surreal. Der Fußballplatz von Che Pibe war in dem Moment der Feier wie eine heile Welt. Alle feierten, waren glücklich und freuten sich über den Abschluss der Kinder. Dennoch herrschte außen die harte Realität des Villas (Ghettos) Fioritos vor. Für mich stellte dies krasse Gegensätze dar.

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Die Kindergärtnerinen:

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Ausflug mit dem Kindergarten

Mittwoch, Januar 10th, 2007

Mein Mitfreiwilliger, Julian W., und ich durften die egresados des sala amarilla (gelber Saal) des Kindergarten Che Bebé (Hallo Baby) auf ihren Abschlussausflug begleiten. Egresados (Abgänger) sind die fünfjährigen Jungs und Mädels, die dieses Jahr den Kindergarten beenden und darauf in das casa de nino (Kinderhaus) wechseln werden. Die Gruppe bestand insgesamt aus 16 Kindern.

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Zuerst ging es auf einen plaza (Spielplatz), wo sich alle so richtig am Karussell, dem Klettergerüst und der Schaukel austoben konnten. Darauf fuhr die Gruppe mit den Che Pibe Bus in den Parque de Lomas (Park von Lomas). Wir veranstalteten unter anderen eine Schnitzeljagd mit den Kindern. Diese hatten einen Zettel mit einen Hinweise, wo sich der nächste Zettel auf dem Gelände befindet. Alle waren sehr begeistert bei der Sache und man konnte sie gar nicht mehr bremsen: Die Jungs und Mädels rannten ausgelassen im ganzen Park herum um den nächsten Hinweis zu finden. Am Ende gab es dann einen großen Schatz für die Gewinner, der natürlich brüderlich geteilt wurde

Danach stärkten wir uns erst einmal mit Schnitzelsandwiche, um genug Energie für die folgende Wasserschlacht zu finden.

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Am Ende kamen alle sehr müde, aber glücklich nach Hause. An diesen Tag erfuhr ich auch, wie anstrengend es sein kann, einen Tag auf kleine Kinder aufzupassen, mit ihnen zu spielen und sie auf der Schaukel oder dem Karussell anzuschubsen.

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Abschlussfahrt nach Embalse, Cordoba

Dienstag, Dezember 12th, 2006

Die Jugendlichen aus meinen Projekt, die dieses Jahr die siebenstufige Primeria abschließen werden, machten mit der Schule zusammen eine viertägige Abschlussfahrt nach Embalse in Cordoba. Insgesamt umfasste die Gruppe neun Betreuer und 42 Kinder. Wir waren in einen rießigen Komplex, der sieben Hotels, ein Museum, zwei große Schwimmbecken und einen Aussichtsturm umfasst und in einen riesigen grünen Park lag, untergebracht. Dieser staatliche Komplex wurde in den 50ern Jahre mit der Unterstützung von Evita Peron errichtet. Die Kinder mussten somit nicht für die anfallenden Kosten aufkommen.

Das Betreuerteam:

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Die Kids:

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Wir fuhren zehn Stunden mit dem Bus von Che Pibe nach Embalse. Dabei passierten wir die scheinbar unendliche Pampa, die durch vereinzelte, kleine, verschlafene Dörfchen zersprenkelt wird. Der Kontrast zu Buenos Aires ist unglaublich.

Landschaften der Region von Cordoba:

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Der Ferienkomplex war direkt an einen großen Stausee gelegen, was uns ein unglaublich schönes Panorama bescherte: Ein still daher liegender See, dahinter durch den Nebel milchig verschwommene grüne Berge.

Aussichten von unseren Hotelgelaende:

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Wir unternahmen zwei Exkursionen zu nahe liegenden Flüssen. Einer von diesen war ein wunderschön gelegener Gebirgsbach, der viele kleine Stromschnellen aufwies.

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Außerdem besuchten wir das einzige Che Guevara Museum in Alta Gracia. Es war im Haus, in dem Che Guevara 12 Jahre lang lebte, untergebracht. Irgendwie war es doch ein bizarres Gefühl in dem Haus zu sein, das Che bewohnt hatte, aber auch an derselben Stelle zu stehen, an der Fidel Castro Anfang 2006 stand. Im Zuge eines Treffens aller Mittel- und Südamerikanischen Länder in Buenos Aires, besuchte Fidel das Museum, um es offiziell einzuweihen.

Das Motorrad, mit dem Che seine Reise durch Südamerika gemacht hat, wie es im Film diario de un motocicleta dargestellt ist:

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Am Ende besuchten wir noch die Stadt Embalse und eine kleine Alfajone Fabrik. Alfajones sind Süßigkeiten: Zwei Biskuitscheibchen, die mit Schokolade oder Puderzucker überzogen sind und zwischen denen Dulce De Leche (Karamellartige Paste) oder Marmelade liegt.

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Ansonsten konnten wir die übrige Zeit an den wunderschönen See verbringen, der ja direkt neben unseren Hotel lag.

Durch diesen Urlaub konnte ich die andere Seite von Argentinien kennen lernen: Das weite, unendliche Land. Durch diese wunderschönen Erfahrungen kann ich sagen, dass ich sehr gerne mehr davon sehen möchte.

Mein Lieblingsbild:

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Feilz cumple Che Pibe! Che Pibe wird 19 Jahe alt

Donnerstag, November 30th, 2006

Heute, am 30.11.2006, wurde mein Projekt Che Pibe 19 Jahre alt.

Aus diesem Grund möchte ich ein Special anbieten: Ein kurzer Abriss der Geschicht von Che Pibe:

Anfang 1987: Vorbereitungen für einen Faschingsumzug in Fiorito wurden getroffen, der dann auch während des Faschings ausgeführt wurde.

30. November 1987: Che Pibe wurde inoffiziel gegründet.

28. Juni 1988: Che Pibe wurde offiziel vom Staat als soziale Organisation anerkannt.

1988: Zusammenarbeit mit der Regierung, die eine Unterstützung des Projektes zusagte.

1989: Che Pibe ist der Organisation Chicos del Pueblo (Kinder vom Volk) begetreten.

1990: Wurde der erste Bus für Che Pibe gekauft.

1991: Das casa de joven wird auf einen neu gekauften Terrain in der nähe des ursprünglichen Gebäudes (heute: casa de nino) gebaut. Dort werden nun zahlreiche Workshops angeboten.

1997: Die Bäckerei wurde gebaut, die unter anderem mit modernen Geräten ausgestattet ist.

1997: Che Pibe ist der Organisation CTA (central de los trabajadores argentinos) beigetreten.

1998: Auf dem casa de joven wird ein Aufbau realisiert.

1998: Che Pibe nimmt zum ersten Mal an einer nationalen Marcha (Marsch) teil. Sie marschierten von Rosario nach Buenos Aires und protestierten für die Rechte des Lebens.

1999: Che Pibe nahm an einer Marcha von La Plata nach Buenos Aires teil. Sie protestierten für eine bessere Bildung. Auch nahm Che Pibe an eine dreijährige Demonstration vor dem Kongress teil.

2000: Das heutige Hauptgebäude wird mit Hilfe der Unterstützung der europäischen Union gebaut.

2000: Che Pibe nahm an einer großen Marcha, von der CTA organisiert, teil. Diesmal ging es wieder von Rosario nach Buenos Aires

2001: Für die Rechte des Lebens wurde von Juy Juy nach Buenos Aires marschiert. Die Marcha dauerte 19 Tage.

2003: Der Aufbau des casa de joven wird mit Hilfe einer Österreicherin erweitert.

2005: Diego Maradona, der in Fiorito geboren ist, schenkt Che Pibe einen sehr modernen großen Bus.

2006: Die zwei Freiwilligen Julian W. und Patrick Wagner erreichen Che Pibe. Ein historischer Moment in der Geschichte von Che Pibe.

Diese Fakten wurden mündlich von mir in Erfahrung gebracht und ins Deutsche übersetzt.

Que sea Murga? Was bedeutet Murga?

Mittwoch, November 29th, 2006

Die Arbeiterpartei CTA – central de los trabajadores argentinos (Zentrale der argentinischen Arbeiter) und die nationale Bewegung chicos del pueblo (Jungs vom Volk) werden aktiv von meinen Sozialprojekt Che Pibe unterstützt. Diese beiden Organisationen setzten sich aktiv für soziale Gerechtigkeit, vor allem für Kinder und Arbeiter, ein. Ihre Leitsprüche sind unter anderem „El hambre es un crime“ (Der Hunger ist ein Verbrechen,) und „Ni un pibe menos“ (Kein Kind weniger).

Und genau diese beiden Organisationen veranstalteten am letzten Dienstag eine Murga an einen zentralen Knotenpunkt in der Nähe von Che Pibe. Bei einer Murga wird Musik mit verschiedenen Trommeln gemacht und Kinder tanzen dazu einstudierte Tänze. Der Sinn einer Murga ist es auf die Veranstaltenten Organisationen, dessen Programm und vor allem auf die soziale Ungerechtigkeit, die es in Argentinien gibt, hinzuweisen.

Und genau an so eine Murga nahm Che Pibe teil. Und da ja Freiwillige universal Einsetzbar sind, war es meine Aufgabe, diese Aktion dokumentarisch festzuhalten. Die geschossenen Bilder möchte ich gerne mit meinen Lesern teilen.

Übrigens hat letzte Woche Che Pibe an eine Marcha (Marsch) teilgenommen. Hierbei vereinten sich viele verschiedene Organisationen zu einen vier Block langen Zug (ca. 500 Meter) um gegen die Soziale Ungerechtigkeit zu protestieren. Da ich aktiv mitprotestierte war es mir leider nicht möglich Fotos von diesem Spektakel zu machen.

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Zehn Gründe…

Freitag, November 24th, 2006

…wieso meine Kids aus dem casa de Joven nicht zur Schule gehen konnten:

Sie hatten keine Lust.

Sie waren zu müde.

Ihre Schuhe waren kaputt.

Sie hatten keine Schuhe.

Sie mussten auf ihren kleinen Bruder aufpassen.

Sie mussten für ihre Mutter Gemüse kaufen.

Es regnete.

Es war zu heiß.

Die Brücke zum Capital war gesperrt.

Die Metro fuhr nicht (es wären vier Blocks zum Laufen).

Das sind Gründe, die ich nicht erfunden habe. Vielmehr war ich live dabei, als die Jugendlichen diese zu Alejandra, meiner Chefin, sagten.

Wenn die Kids nicht zur Schule gehen, bekommen sie kein Essen oder dürfen nicht an den Aktivitäten teilnehmen.

Weitere Impressionen aus Che Pibe

Freitag, November 17th, 2006

Diesmal kann ich leider keine Fotos zeigen. Dennoch möchte ich einige Informationen teilen, welche die soziale Realität des Villa Fiorito näher bringen. Villa Fiorito ist sozusagen ein Ghetto, „wie es im Buche steht“: Kaputte Straßen, kleine marode Häuser, überall Müll, Unmengen an Straßenhunde, Kriminalität, Drogen, große Arbeitslosigkeit und die daraus folgende Armut.
Alkohol

Letzte Woche ist bei uns im Projekt ein Junge verschwunden, weswegen die örtliche Polizei ins Projekt kam und nach ihm suchte. Nachdem er das ganze Wochenende über verschwunden war, ist er am Dienstag wieder bei seiner Oma aufgetaucht. Er ist von seiner anderen Oma geflohen, da sie, wie sich später herausstellte, ein Problem mit Alkohol hat. Am kommenden Montag wird das Gericht entscheiden, wo der Jung in Zukunft wohnen wird.

Mir wurde erzählt, dass es oft in den Familien Problemen mit Alkohol und Gewalt gibt. Bis jetzt ist mir aber nur dieser eine Fall bekannt.

Sexualität

Jeden Dienstag gibt es im Projekt eine Gesprächsrunde für die Kids aus casa de joven mit einer Psychologin, bei der vor allem über das Thema Sexualität geredet wird. Hierbei kommen manchmal sehr gute Gespräche zustande. Manchmal aber eben auch nicht und die Kids machen nur Scheiße und können sich nicht konzentrieren.

Letzen Dienstag sprachen wir zum Beispiel über eine Sache, die ich nicht begreifen konnte. Ich bin mir aber sicher, dass ich da nicht der einzige bin: Denn die Tatsache, dass fast alle meiner Kids, die zwischen 15 und 18 Jahre alt sind, regelmäßig in die puteria (Puff) gehen und sich dort für 25 Peso (circa 7€) für eine halbe Stunde vergnügen, war für mich doch etwas überraschend.

In einen Gespräch mit der Psychologin stellt sich heraus, dass dieses Verhalten in Villas, wie Fiorito, ganz normal sei. Hier sparen die Jungs ihr Geld und gehen dann gemeinsam in die puteria um das erste Mal Sex zu haben. Und für einen Macho gehört sich das ja auch, oft Sex zu haben.

Cartoneros

Als Cartoneros werden die Leute bezeichnet, die im Capital (= Innenstadt von Buenos Aires) jede Nacht den Müll nach Papier, Glas und Dosen durchwühlen. Für Dosen bekommt man am meisten Geld. Ein Kilo Papier kann zum Beispiel für 0,70 Peso, was etwa 0,19 € entspricht, verkauft werden. Somit verdienen zwei Personen, die gemeinsam sammeln, pro Woche etwa 100 – 150 Peso (26 € – 40 €).

Um in das Capital zu kommen, fahren die Cartoneros mit Sonderzügen, falls es sie gibt. Da es in Fiorito aber keine Zuganbindung an das Capital gibt, fahren die cartoneros immer mit einem großen Lastwagen in die Stadt. Jeden Tag um fünf Uhr fährt beispielsweise immer ein großer Lastwagen an Che Pibe vorbei, der wie ein Taxi, die Cartoneros des Villas einsammelt. Eines Tages, als ich vom Projekt heimkam, sah ich diesen uralten Laster an der Straße vorbeifahren: Er war total groß, mit hohen Seitenwänden und einen großen Anhänger. Auf dem Laster waren circa dreißig Cartoneros und jede Menge kleine Wagen, auf denen sie die „Kostbarkeiten“ aufladen. Die Leute standen weit über der Straße, an den Seitenwänden des LKW und blickten mir ernster Miene in die Ferne.

Für mich war es ein Schock, dass auch einige meiner Kids auf diesen Laster waren: Im Projekt sind die Kids so fröhlich, lachen, malen und spielen Fußball. Deswegen konnte ich es mir nicht vorstellen, dass sie im Müll wühlen müssen, um sich ernähren zu können.

Meine Naivität wurde eines bessern belehrt.

Impressionen aus Che Pibe und La Vieja del Anden

Samstag, November 11th, 2006

In den Projekten läuft soweit alles gut: Der Eingewöhnungsphase ist beendet, der Einstige verlief reibungslos, die Betreuer und die Kinder haben mich sehr gut aufgenommen. Aufgrund der Tatsache, dass mich meine Kids als Kumpel ansehen, ist es im Moment manchmal schwierig als Autoritätsperson aufzutreten.

Ich habe bereites meinen ersten Workshop gestartet: Ich zeichne die Porträts der Kids mit ihnen zusammen und will danach eine Wand mit allen Fotos und Zeichnungen machen. Deswegen habe ich schwarz – weiß Fotos von ihnen gemacht, die ich hier mit allen teilen möchte.

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Des Weiteren gibt es auch noch einige Fotos direkt aus dem Projekt, die einen kleinen Eindruck vermitteln sollen. Darüber möchte ich aber noch ein Anderes mal einen genaueren Bericht schreiben.

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Ansonsten wurde ich ziemlich von der Bildung der Schüler geschockt: Achtzehn Jährige Jungs, die beim Lesen jeden Punkte und jedes Komma überlesen, nach jedem Wort stocken und bei schwierigen Wörtern schon einmal eine ganze Weile brauchen, um herauszufinden, um welches Wort es ich handelt.

Deswegen möchte ich in Zukunft einen Lesekurs einrichten und mit den Kids jeden Tag ein Kapitel aus einen Buch lesen.

Heute habe ich zum Beispiel einem Mädchen die Polynomdivision erklärt. Die Polynomdivision ist ein nicht so leichtes Gebiet und setzt ein gewisses Grundwissen voraus. Dieses Grundwissen hatte das Mädchen aber nicht und somit fing ich mit ihr bei „Adam und Eva“ an. Sie weißt wirklich erhebliche Wissenslücken auf. Sie konnte zum Beispiel eine einfache Gleichung nicht nach einer Variabel auflösen oder einen Bruch kürzen. Des Weiteren ist mir aufgefallen, dass das Mädchen einfach Rechenschritte ausführte, ohne zu wissen, was sie überhaupt macht. Sie hatte es (auswendig) gelernt, aber nicht verstanden.

Ich ließ mir sagen, dass das Schulsystem von Menem, der ehemalige Präsident, der das Land 2001 in die Wirtschaftskrise führte, ziemlich verschlechtert wurde. Jetzt ist es gerade in einem großen Umbruch, der dringend benötigt wird.

Zum Schluss noch ein Bild von der Vieja del Anden.

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